02.09. – Yungay und Laguna 69

Erstaunlich, aber der Bus scheint Zeit eingeholt zu haben. Um sechs Uhr früh sind wir gar nicht mehr so weit weg. Könnte klappen mit meiner Wanderung.
Die Nacht war furchtbar, trotz Comfort-Bus und Sitz ganz vorne: rechts neben mir sitzt ein intensiv riechender Kerl mit laut dröhnenden Billig-Kopfhörern.
Links neben mir telefoniert eine Dame lautstark die halbe Nacht. Und hinter mir schnarcht ein älterer Mann ohrenbetäubend, nur unterbrochen von lauten Wimmer- und Seufz-Geräuschen.Ab Huaraz wird der Bus ziemlich leer. Der junge Busbegleiter setzt sich neben mich und unterhält sich mit mir in ausgezeichnetem Französisch, mit ein paar Fetzen Englisch und Spanisch zwischendurch. Er war drei Jahre in Paris auf einer Kunstschule.
Zum Schluss schenkt er mir einfach so eine lokale Bitel SIM-Karte. Kurioserweise wollte ich mir genau so eine kaufen, da meine andere lokale SIM-Karte zusammen mit dem Handy geklaut wurde. Ich bin baff, skeptisch, und happy. Die Karte funktioniert einwandfrei! Und dank meines VPN-Tunnels, der irgendwie die Datenvolumen-Grenzen in Peru umgeht, habe ich unbegrenzt Internet.

Um kurz nach neun bin ich in Yungay. Erstmal auf die Toilette, entleeren und einigermaßen frisch machen. Der Gestank meiner Socken ist erschreckend.
Jetzt heißt es ein Taxi für die Tour zu organisieren. Das kann dauern, denn ich brauche es für den ganzen Tag und es soll nicht zu teuer sein.
Nach den ersten überteuerten Angeboten erstmal schnell zum Markt. Hier sind die Frauen aufgetakelt mit ihren bunten Kleidern, Tragedecken und besonderen Hüten, die sich deutlich von allen anderen Kopfbedeckungen in Peru unterscheiden. Scheinbar ist heute Feiertag und der Markt ist größer als sonst. Aber keine Zeit, muss Taxi finden. Ein sonnengegerbter Arbeiter mit seinem klapprigen Toyota akzeptiert schließlich mein Angebot von 100 Soles. Es wird eine sehr staubige Fahrt, 1,5 Stunden bergauf. Unterwegs zeigt er mir noch einen Bergsee mit Ruinen, der gar nicht auf dem Plan stand. Wir unterhalten uns gut, trotz Sprachbarriere.

01.09. – Flug über die Nazca-Linien

Der Nachtbus nach Nazca windet sich endlose Serpentinen über 3000m Höhe entlang.
Eigentlich sollte der Bus nach fast 13 Stunden Fahrt um 8:30 in Nazca sein. Aber um 7:30 sind wir noch 130km entfernt und der Bus schleicht noch immer mit 35km/h enge Serpentinen entlang. Das könnte mir den Flug über die Nazca-Linien versauen. Mal schauen.

Aber es klappt: ich bin um 9:35 am Terminal in Nazca, finde einen geschäftstüchtigen Taxifahrer, der mich erst zum Geldautomaten und dann zum kleinen Flughafen fährt. Bestimmt bekommt er eine kleine Provision. Trotzdem zahle ich nur $80 für den längeren 35 min Flug. $75 sind mir als Richtlinie für einen normalen 30 min Flug gesagt worden, also passt.
Es geht auch sofort los, nachdem ich die 30 Soles Flughafengebühr gezahlt habe. Rein geht’s in die betagte Cessna C207 mit fünf anderen Passagieren und einem übergewichtigen Co-Piloten.

Der Flug über die rot-graue Wüste ist allein schon das Geld wert! Die Scharrbilder sind toll, wenn auch deutlich kleiner als erwartet. Ich zwinge mich, dem Rat zu folgen, lieber den Anblick zu genießen anstatt zu fotografieren, aber ich bin nicht sicher ob das geklappt hat. Es geht doch alles sehr schnell, obwohl die 35 min Flugzeit wie eine Ewigkeit wirken. Naja, ich hab ja noch die Fotos zum nachträglich genießen 😉
Nach dem Flug gibt es sogar noch ein persönliches Foto und ein Zertifikat gratis.

Zurück geht’s zum Bus Terminal.
Da fährt kein Direktbus mehr nach Lima, aber ich nehme den Bus nach Ica, um dort nach Lima umzusteigen. In Ica fängt mich gleich einer ab für ein Sammel-Auto nach Lima. Kostet 10 Soles mehr, aber ist fast doppelt so schnell. Mir sehr recht.
Ein Mitfahrer teilt mir sein mobiles Internet, somit kann ich mein Busticket für heute Abend von Lima nach Yungay online buchen. Läuft!

Wenn das alles klappt wird das eine Reise von Cuzco nach Yungay in 36 Stunden inklusive Rundflug über die Nazca-Linien.

Irrsinniger Verkehr in Lima. Die Fahrt endet an einem anderen Einkaufszentrum als erwartet. Aber nicht weiter tragisch. Erstmal auf die Kaufhaustoilette und mich frisch machen, Zähne putzen, etc. Noch ein paar Sachen zum essen kaufen und weiter im Taxi zum MovilTours Bus Terminal.

Alle Busse sind offensichtlich verspätet. Das Terminal ist randvoll und es herrscht hektisches Chaos. Ich habe den teureren Bus gewählt, wegen mehr Comfort, aber genau der hat am meisten Verspätung. Die Locals werden wütend, pfeifen, rufen, diskutieren laut. Hier spielt Zeit wohl doch mal eine Rolle 😉
Statt 21:40 fährt der Bus erst um 22:50 los. Und dann ist auch noch endloser Stau in Lima. Erst weit nach Mitternacht verlassen wir Lima.
Ob das zeitlich noch klappt mit meiner Wanderung am nächsten Morgen…?

31.08. – Cuzco

Heute wird etwas entspannt. Ausschlafen, frühstücken, und dann durch Cuzco schlendern und diversen Süßkram probieren. Dann hoch auf einen Aussichtspunkt knapp unterhalb des Christo Blanco. Vorbei an der Iglesia San Christobal, wo ich vor neun Jahren das erste Mal local street food, mit Händen zubereitet, gegessen habe. Weiter zum Mercado San Blas, wo ich auch schon vor neun Jahren war. Danach gibt es mal was neues: die Iglesia de Santo Domingo bzw. den Tempel Qoricancha. Das schien es vor neun Jahren noch nicht als Touristenattraktion gegeben zu haben. Mittlerweile ist es die bedeutendste Attraktion innerhalb der Stadt Cuzco. Es handelt sich offenbarbar um das bedeutendste religiöse Zentrum der Inka, das dann von den Spaniern teilweise zerstört und mit einer Kirche überbaut wurde. Inzwischen wurde sehr viel wieder hergestellt, sowohl vom Inka Tempel als auch von der Kirche. Die Mischung aus den hochpräzise gearbeiteten Inka-Mauern und den spanischen Mauern in üblicher Stein-Zement-Bauweise sieht spannend aus.

Da ich immer noch keine funktionierende Idee habe, wie meine Reise zu den letzten offenen Zielen aussehen könnte, fahre ich zum Bus Terminal und frage mich nach Möglichkeiten durch.
Schließlich buche ich den Nachtbus nach Nazca. Dann noch kurz rauf auf den Aussichtspunkt Inka Roca beim Terminal und einen letzten schönen Blick über Cuzco genießen. Jetzt schnell wieder zurück zum Hostel, packen, und noch ein letztes Mal durch Cuzco spazieren, zum Mercado de San Pedro, über den Plaza de Armas und wieder zum Hostel.
Schnell in ein Taxi und wieder zum Bus Terminal, in den Bus und los geht’s.

Tschüß geliebtes Cuzco.

30.08. – Rainbow Mountain und Red Valley

29.08. – Auf dem Weg nach Cuzco

28.08. Choquequirao Tag 3

27.08. – Choquequirao Tag 2

26.08. – Choquequirao Tag 1

25.08. – Von La Paz nach Cachora

24.08. – La Paz