Erstaunlich, aber der Bus scheint Zeit eingeholt zu haben. Um sechs Uhr früh sind wir gar nicht mehr so weit weg. Könnte klappen mit meiner Wanderung.
Die Nacht war furchtbar, trotz Comfort-Bus und Sitz ganz vorne: rechts neben mir sitzt ein intensiv riechender Kerl mit laut dröhnenden Billig-Kopfhörern.
Links neben mir telefoniert eine Dame lautstark die halbe Nacht. Und hinter mir schnarcht ein älterer Mann ohrenbetäubend, nur unterbrochen von lauten Wimmer- und Seufz-Geräuschen.Ab Huaraz wird der Bus ziemlich leer. Der junge Busbegleiter setzt sich neben mich und unterhält sich mit mir in ausgezeichnetem Französisch, mit ein paar Fetzen Englisch und Spanisch zwischendurch. Er war drei Jahre in Paris auf einer Kunstschule.
Zum Schluss schenkt er mir einfach so eine lokale Bitel SIM-Karte. Kurioserweise wollte ich mir genau so eine kaufen, da meine andere lokale SIM-Karte zusammen mit dem Handy geklaut wurde. Ich bin baff, skeptisch, und happy. Die Karte funktioniert einwandfrei! Und dank meines VPN-Tunnels, der irgendwie die Datenvolumen-Grenzen in Peru umgeht, habe ich unbegrenzt Internet.
Um kurz nach neun bin ich in Yungay. Erstmal auf die Toilette, entleeren und einigermaßen frisch machen. Der Gestank meiner Socken ist erschreckend.
Jetzt heißt es ein Taxi für die Tour zu organisieren. Das kann dauern, denn ich brauche es für den ganzen Tag und es soll nicht zu teuer sein.
Nach den ersten überteuerten Angeboten erstmal schnell zum Markt. Hier sind die Frauen aufgetakelt mit ihren bunten Kleidern, Tragedecken und besonderen Hüten, die sich deutlich von allen anderen Kopfbedeckungen in Peru unterscheiden. Scheinbar ist heute Feiertag und der Markt ist größer als sonst. Aber keine Zeit, muss Taxi finden. Ein sonnengegerbter Arbeiter mit seinem klapprigen Toyota akzeptiert schließlich mein Angebot von 100 Soles. Es wird eine sehr staubige Fahrt, 1,5 Stunden bergauf. Unterwegs zeigt er mir noch einen Bergsee mit Ruinen, der gar nicht auf dem Plan stand. Wir unterhalten uns gut, trotz Sprachbarriere.